LSG Bottenhorn e.V.

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Ausbildung zum Verkehrspiloten - Teil II

Vom Segelflieger zum Verkehrspiloten


Ausbildung an der Lufthansa Verkehrsfliegerschule


737Mittlerweile haben drei unserer Mitglieder nach der Segelflugausbildung die Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer begonnen. Hier der zweite Teil des Berichts von Benjamin Becker aus Gönnern, der jetzt fast fertig ist... Endlich ist es soweit. Ich habe Zeit und Motivation gefunden, den zweiten Teil über die Ausbildung zum Verkehrspiloten an der Lufthansa Verkehrsfliegerschule in Bremen zu verfassen.

Nachdem am 20.7.2006 der letzte Tag im Airline Training Center Arizona (ATCA) gekommen war, trat ich die lange Heimreise an und überlegte schon im Flieger, was denn nun auf mich zukommen wird, nachdem die erste praktische Hürde genommen worden ist. Gemeinsam mit meinem Flugpartner unterhielt ich mich schon jetzt über das Einstiegsmuster auf die Linie. Schnell hatte sich herausgestellt, dass wir beide unterschiedlicher Meinung waren. Meine Entscheidung sollte auf die Boeing 737 fallen, wohingegen sich mein Partner eher vom Airbus A320 angezogen fühlte. Nichts desto trotz musste erstmals das nächste dreiviertel Jahr erfolgreich über die Bühne gebracht werden....

triebwerk_cayenneNun stand wieder ein halbes Jahr lang reine Theorie an. Neue Systeme, Triebwerke, die Arbeit im Team und auch der Aufbau der "großen" Flugzeuge warteten auf uns. Allerdings war dieser zweite Theorieteil weit interessanter, als das halbe Jahr vor dem USA-Aufenthalt. Sollte doch nun endlich alles auf Verkehrsflugzeuge ausgelegt sein! Bis ins kleinste Detail musste man die Navigation mittels Satelliten und Trägheitsnavigation erlernen, was auf den ersten Blick fast unmöglich erschien. Auf die Frage, wann man so was eigentlich noch mal braucht im späteren Arbeitsleben, bekam man nur ein kleines Lächeln der Lehrerin zurück. Den Rest konnte man sich ja denken. Wie jedes Mal, musste man auch am Ende dieses Theorieteiles eine Lufthansa-Interne Testserie durchlaufen, welchen den Abschluss der gesamten Theorie an der Fliegerschule darstellt. Anschließend hatte man knapp vier Wochen "frei" um sich auf die Abschlussprüfung beim Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig vorzubereiten. Hier wurde noch einmal der gesamte Stoff der letzten 18 Monate geprüft. Ziel eines jedes Tests, die 75%-Hürde knacken. Ausgleichen konnte man mit besseren Ergebnissen in manch einem Fach nicht, da das Limit auf jeden einzelnen Textteil gelegt wurde. Drei Tage banges Warten und dann waren die Ergebnisse da. Bis auf einige wenige Ausnahmen (welche aber im zweiten Anlauf auch erfolgreich waren) hatten alle bestanden. Der Grundstein für den letzten praktischen Teil war gelegt.

cheyenneAber Stopp…erst noch sechs Wochen Seminare, Erste-Hilfe-Kurs und ein Test für die Piper Cheyenne. Danach konnte es endlich losgehen…fliegen wie die Großen. Los ging es mit 18 Mission im Full-Flight Simulator der Piper. Das Cockpit 1:1 und ein Gefühl wie im echten Flugzeug. Zuerst sechs Missionen normal Operation. Hier sollte man das Flugzeug und die nötigen Verfahren kennenlernen und anwenden. Von Mission neun bis zwölf kamen dann die verschiedensten Abnormales hinzu. Mal versagte ein Generator, mal die Instrumente und durchaus auch mal ein Triebwerk. Von dieser siebten Mission an sollte kein Flug mehr normal verlaufen. War man dann bei Mission zwölf angelangt, ging auch die Flugplanung wieder los. Nun ging es beispielsweise von Bremen über Paderborn nach Köln. Natürlich auch nicht ohne einen Defekt am Flieger und immer noch alles im Simulator. Bei 18 angelangt, wurde dann ein Lufthansa-Interner Check abgenommen, womit man bei Bestehen die Reife für das Flugzeug ausgestellt bekam. Sechs Flüge standen uns im richtigen Flugzeug zu, wobei die letzten beiden auch schon wieder Checkflüge waren. Der Fünfte mal wieder Lufthansa-Intern und der Sechste als Abschluss mit LBA-Prüfer an Bord. Bei all diesen Flügen konnte man schon richtig Airliner-Luft schnuppern.

benny_simEgal bei welchem Wetter ging man raus zum Fliegen. Gern erinnerte man sich nun daran, wie in den USA schon bei bisschen stärkerem Wind gleich der gesamte Flugtag abgesagt wurde. Nun flog man beispielsweise nach Esbjerg, Billund oder auch Aalborg in Dänemark, Bergen in Norwegen, Köln, Paderborn, Hannover, Nürnberg, Erfurt aber auch ein paar interessantere Plätze wie Usedom oder Salzburg waren im Programm enthalten. Am Ende hielt man den CPL-IFR in der Hand, der uns nun dazu berechtig, Verkehrsmaschinen zu fliegen. benny_cockpitNatürlich erst, wenn eine eigens für das Flugzeug gemachte Musterberechtigung erworben wurde. Schon früh in der zweiten Theorie-Phase mussten wir uns entscheiden, welchen Flugzeugtyp wir später fliegen möchten. Komischerweise entschieden sich 20 der 24 Kursmitglieder für den Airbus A320, nachdem uns die Möglichkeit genommen wurde, auch auf der Boeing B757 bei Condor anzufangen.

Ich, als einer der Wenigen, habe mich dazu entschieden, meinen Einstieg auf der Boeing B737 zu wagen. Wie selbst auch schon langjährige Flieger immer wieder sagten, sei das noch ein Flugzeug, bei dem man noch das richtige Fluggefühl erlebt. Jetzt sitze ich seit mittlerweile vier Wochen zu Hause und warte sehnsüchtig auf den Beginn der Musterberechtigung. Los geht es am 17.8.2007.  Dann sind noch mal zehn Wochen lernen angesagt. Den Abschluss bildet das Landetraining, bei dem man erstmals das Flugzeug bewegen darf (vorher findet alles im Simulator statt). Bei hoffentlich erfolgreichem Abschneiden, werde ich dann ab dem 1.11.2007 im europäischen Streckennetz der Deutschen Lufthansa mein Geld verdienen. Dann steht ja der Familienplanung nichts mehr im Wege: READY TO GO!

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